Sonntag, 10. Juni 2012

Autoreninterview mit Michael Hübner


Vor kurzem habe ich das neuste Werk von Michael Hübner ausgelesen und war abermals von seinem Können begeistert, das ich auf die Idee kam, mit ihm ein kleines Interview zu führen. Seine Werke Stigma und Sterbestunde haben einen besonderen Platz in meiner Bücherwand erhalten und ich hoffe es folgen noch viele weitere spannende Thriller von ihm, die ich dazustellen kann. Einen Besuch seiner Internetseite lohnt sich ebenso wie die spannungsreichen Lesestunden mit seinen
Thrillern.
Das ist Michael Hübner, wie er leibt und lebt...


Und hier meine Fragen an Michael, die er mir völlig selbstverständlich beantwortet hat:

1. Würdest Du dich bitte einmal meinen Lesern vorstellen?
Ich bin geboren am 06.07.1968 (ziemlich ungünstig, wenn man Lottospieler ist) und lebe mit meiner Frau und meinen drei Töchtern in der Nähe von Koblenz. Wenn ich nicht an meinen Geschichten arbeite, halte ich mich gerne im Freien auf, verbringe Zeit mit meiner Familie oder treffe mich mit Freunden. Auch vergeht kein Tag, an dem ich meine dicke Nase nicht mindestens einmal in ein Buch stecke, vorzugsweise in einen guten Thriller. Ich verreise gerne, am liebsten an Orte, an denen es zwanzig Grad wärmer als in Deutschland ist und wo nur in der Regenzeit mit Niederschlägen zu rechnen ist. Ich würde mich als aufgeschlossenen, humorvollen und geselligen Menschen beschreiben, der gerne auch mal eine Nacht durchfeiert. Eigentlich gibt es nur zwei Dinge, die mich zur Weißglut treiben: Sturheit und bürokratische Willkür. Speziell der letztere Punkt verhilft mir immer wieder zu neuen und kreativen Mordfantasien.

2. In »Sterbestunde« hast du ja höchst pressante Themen ausgesucht, was hat dich dazu bewegt?
Das Thema Wissenschaft hat mich seit jeher interessiert und fasziniert. Ich bin im Grunde kein Gegner des Fortschritts, dennoch betrachte ich diese Entwicklungen auch immer mit einem kritischen Auge. Und wie mir meine Recherchen zu dem Thema gezeigt haben, ist diese Kritik alles andere als unberechtigt. Denn immer, wenn es um viel Geld geht, setzen offensichtlich Verstand und Gewissen des Menschen aus. Auch zeigt mir diese Entwicklung, dass in unserer so schnelllebig gewordenen Gesellschaft, in der man auf dem Arbeitsmarkt schon mit Anfang 50 als schwer vermittelbar eingestuft wird, Dinge wie Alter und Erfahrung offensichtlich keinerlei Stellenwert mehr besitzen. Und dies wirft in mir unweigerlich die Frage auf, welche Zukunft eine solche Gesellschaft hat? Denn wenn das Wissen, das wir heute haben, morgen schon veraltet ist, sind wir irgendwann so schnelllebig geworden, dass wir unseren eigenen Untergang nicht mehr mitbekommen.

3. Wird es eine Fortsetzung mit Sven Becker und dem Journalisten Walter Koschny geben?
Kommissar Sven Becker wird auch in meinem nächsten Buch eine Rolle spielen, allerdings nur eine kleine. Da die beiden mir aber ans Herz gewachsen sind, werde ich Sven Becker und Walter Koschny in meinem vierten Buch – an dem ich zurzeit arbeite – wieder gemeinsam auf die Jagd nach einem Serienkiller schicken, der sie mit grausamen und höchst skurrilen Morden konfrontieren wird.

4. Wann wird dein nächstes Werk erscheinen?
Ein genauer Termin wurde mir vom Verlag bisher noch nicht mitgeteilt. Aber ich kann gerne an dieser Stelle schon ein wenig darüber verraten, um was es darin gehen wird:
Wünsch Dir was! Diese Aufforderung offenbart sich Dirk Bukowski in Form eines Popup-Fensters auf seinem Computerbildschirm. Er hält das Ganze für einen harmlosen Werbegag und tippt genervt in die darunterliegende Eingabezeile: Ich habe bereits alles! Mit Genugtuung betätigt er die Enter-Taste – und schon bald darauf beginnt der schlimmste Albtraum seines Lebens …

Dies ist eine der Schlüsselszenen in meinem dritten Buch, in dem es wieder um einiges härter zur Sache geht. Ich habe zu drastischen Mitteln gegriffen, um das Martyrium zu vermitteln, das meine Hauptfigur aufgrund dieser simplen Handlung durchleiden muss. Den einen oder anderen dürfte das ziemlich mitnehmen, vielleicht sogar schockieren. Ich kann mir sogar vorstellen, dass mancher Internetnutzer sein Surfverhalten nach Beenden des Buches radikal verändern, oder zumindest darüber nachdenken wird, welche Informationen er zukünftig ins Netz stellt und mit wem er chattet. Das Buch handelt von den Gefahren des Internet und der modernen Kommunikationstechnik. Es geht um einen Hacker, der sich an der Gesellschaft rächen will, indem er gezielt Menschen über das Internet manipuliert und attackiert. Dabei geht er auf eine solch perfide und geschickte Weise vor, dass es ihm gelingt, diesen Menschen alles zu nehmen und zu zerstören, was ihnen am wichtigsten ist, bis er sie schließlich in den Selbstmord treibt. Um dies zu erreichen, schreckt er auch nicht vor Methoden zurück, die an Grausamkeit kaum zu überbieten sind.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig Neugier wecken :)

5. Wie lange schreibst du durchschnittlich an einem Buch? Setzt du dir, was das angeht, ein Tages- oder Wochenpensum?
Ich setze mir ein wöchentliches oder monatliches Ziel, das ich erreichen will. Daran versuche ich mich auch zu halten, sonst verliere ich irgendwann den Faden. Wie lange ich letztendlich an einem Buch arbeite, hängt davon ab, wie viel ich recherchieren muss. Im Schnitt würde ich sagen: von der ersten Idee, bis zum fertig überarbeiteten Manuskript, in etwa ein Jahr.

6. Fertigst du vorher Lebensläufe der einzelnen Personen an? Wie detailliert sind diese, gehen sie bis hin zum Geburtsdatum, Hobbies etc.?
Man mag mir das glauben oder nicht, aber ich entwerfe meine Figuren vorher nicht am Reißbrett. Natürlich habe ich meistens eine grobe Vorstellung von ihnen. Die bezieht sich aber nur auf die äußere Erscheinung und ein paar Grundeigenschaften. Ich gebe meinen Figuren immer den größtmöglichen Spielraum, sich mit der Geschichte zu entwickeln. Meistens dichte ich ihnen etwas an und überlege, wie sie darauf reagieren. Das verleiht ihnen die Glaubwürdigkeit und Tiefe, auf die ich sehr viel Wert lege.

7. Wie hast du das Schreiben gelernt?
Das mag töricht klingen, aber hauptsächlich durch Lesen. Immer wenn ich ein gutes Buch lese, regt es mich zum Schreiben an. Lesen inspiriert mich und ist für mich der beste Lehrmeister. Gerade am Anfang eines Autorenlebens stehen ja mehr technische und gestalterische Fragen im Vordergrund: Wie baue ich die Geschichte auf? Wie bringe ich die Figuren ins Spiel? Wie erzeuge ich Spannung und halte den Leser bei Laune? Keine Schule und kein Schreibkurs dieser Welt können einem diese Grundlagen besser vermitteln als ein bestehendes Buch. Wenn man wissen will, wie ein Gebäude entsteht, sieht man sich ja auch die Arbeit eines Architekten an, um daraus zu lernen. Ebenso verhält sich das bei mir mit dem Schreiben. Es kann einem jedoch niemand dabei helfen, den eigenen Stil zu finden. Den muss man sich durch viel Übung und harte Arbeit aneignen.

8. Wie stark hat das Schreiben dich und dein Leben verändert?
Es hat mein Leben schon allein dadurch verändert, dass ich nun endlich das tun kann, was ich tun möchte, nämlich schreiben. Als Autor genieße ich jeden Tag, den ich frei gestalten kann, ohne länger das Gefühl zu haben, mich in eine Zwangsjacke pressen zu müssen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich noch viele Menschen mit meinen Büchern erreichen kann, damit dieser Zustand noch ein wenig anhält.

9. Welchen Thriller kannst Du ganzheitlich empfehlen?
Tage der Toten von Don Winslow.

10. Welches Buch liegt derzeit auf deinem Nachttisch?
Der Prophet des Todes von Vincent Kliesch.

11. Eine fantastische Vorstellung: eine liebe Person schenkt dir ein ganzes Jahr, was wirst du mit der gewonnenen Zeit tun?
Ein Buch schreiben. Und wenn dann noch Zeit übrig ist, mit meiner Familie verreisen und einfach das Leben genießen.


Herzlichen Dank, lieber Michael für dieses interessante Interview. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern und immer viele gute Ideen...

1 Kommentar:

  1. Hi,
    ein wirklich tolles Interview. Das erinnert mich wieder daran, dass ich seine Bücher unbedingt noch lesen will.
    LG Isabel

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