Montag, 24. September 2012

Autoreninterview: 10 Fragen an Julia Breitenöder

Das meine Kinder gerne und recht viel lesen, das wisst ihr ja. Worüber ihr noch nicht Bescheid wisst, dass eine ihre Lieblingsautorinnen Julia Breitenöder ist. Die Kinderbuchautorin, die selbst mehrfache Mutter ist hat einen so herzlichen und vergnügten Schreibstil der nicht nur meine Mädels begeistert, sondern auch mich. Das letzte Buch, das wir von ihr gelesen haben »Ich muss leider draußen bleiben« war grandios gut und ich habe Julia Breitöder um ein Autoreninterview gebeten, um sie euch etwas näher vorzustellen. Danke liebe Julia das du bereit warst meine Fragen so ausführlich zu beantworten.

Hier seht ihr Julia Breitenöder mit "Ich muss leider draußen bleiben" das im Februar im Thienemann Verlag erschienen ist:


Auf ihrer Homepage findet ihr unter anderem ihre aktuellen Lesungstermine.

 1. Würdest Du dich bitte einmal meinen Lesern vorstellen?
Mit meiner Familie (zu der gehören Mann, drei Kinder und zwei völlig verrückte Meerschweinchen) in Frankfurt am Main. Geboren und aufgewachsen bin ich in Bonn, dann habe ich in meiner absoluten Lieblingsstadt München Sonderpädagogik studiert und mit Kindern und Jugendlichen mit Autismus gearbeitet. Nachdem mir klar geworden war, dass ich das nicht mein Leben lang machen werde, habe ich mir eine Auszeit genommen, bin als Au-pair nach Kairo gegangen, habe danach bei Lufthansa als Flugbegleiterin angefangen, deshalb hat es mich nach Frankfurt verschlagen. Und da sitze ich heute noch, allerdings mittlerweile völlig ohne Fliegerei (na gut, so ganz ohne geht in Frankfurt wohl kaum, eine nicht unerhebliche Anzahl von Flugzeugen donnert täglich übers Haus), denn seit Herbst 2011 bin ich hauptberuflich Autorin. Schreiben konnte ich schon immer am besten nachts (an der Uni auch immer wieder gern in der letzten Nacht vor Seminararbeits-Abgabeschluss), jetzt geht es drum, tägliches Familienleben und nächtliches Arbeiten bestmöglich miteinander zu vereinbaren.
Lesen ist nicht nur meine liebste Freizeitbeschäftigung, sondern auch mein ganz großes Anliegen. Ich bin ja heilfroh, dass meine Kinder allesamt sehr buchbegeistert sind und engagiere mich an unserer Grundschule für Leseförderung, übe in verschiedenen Klassen mit den Kindern lesen und bin als Vorleserin unterwegs, weil ich es so enorm wichtig finde, den Kindern einen guten Draht zum Lesen zu vermitteln.
Wenn ich mal kein Buch in der Hand habe, gehe ich gern ins Kino, ins Konzert oder die Oper oder treffe mich mit Freunden.
Meine Geschichten begleiten mich schon seit frühster Kindheit, erst gemalt, später geschrieben, der erste Gedanke ans Veröffentlichen kam allerdings erst recht spät, als ich mit unserer zweiten Tochter in Elternzeit war. Völlig blauäugig habe ich mein Bilderbuchmanuskript auf die Reise gesendet - schließlich stand auf allen Verlaggseiten »Schicken Sie!«. Dass die Sache wohl doch nicht so einfach ist, habe ich gemerkt, als eine Absage nach der nächsten in den Briefkasten flatterte. Aber ich hatte Glück - nach 17 Absagen kam tatsächlich eine Zusage - erst später wurde mir bewusst, dass das beim ersten Buch sowas wie ein Sechser im Lotto ist. So erschien 2007 »Die Zahnpasta-Prinzessin« in einem kleinen Verlag, und von da an ging es weiter, mit vielen Rückschritten, Wartezeiten (Geduld zählt nicht unbedingt zu meinen Stärken ...), Umwegen - aber doch auch immer wieder ein gutes Stück vorwärts. Ich bin sehr gespannt, wohin mich dieser Weg noch führen wird.

2. Wie kamst du auf die Idee zu » Ich muss leider draußen bleiben«?

Das bin ich kürzlich bei einer Lesung gefragt worden und musste erstmal kurz überlegen. Angefangen hat es wohl mit der Verlagsanfrage »Hast du vielleicht eine neue Idee?«, woraufhin ich begann, vor mich hin zu grübeln. Herr Hund ist mir das erste Mal unter der Dusche begegnet - da fällt mir fast immer was ein, ansonsten sind bügeln, staubsaugen oder fensterputzen auch tolle Ideenfindungs-Tätigkeiten. Plötzlich war er da - groß, hässlich, sabbernd. Seine Geschichte kam dann stückchenweise hinterhergepurzelt. Herr Hund hat übrigens kein reales Vorbild, zumindest kein einzelnes, er setzt sich aus ganz vielen verschiedenen Hundeanekdoten zusammen, sozusagen ein »Worst of« aller mir bekannten Hunde. Die Geschichte im Supermarkt ist inspiriert von unserem früheren Familienhund, der mit Fahrradständer im Schlepp in den Laden wollte, den Liegestreik vor der Schule verdanke ich dem Hund eines Schulfreunds.

3. Wird es eine Fortsetzung mit Tilda und Herrn Hund geben?
Gute Frage. :-) Einfallen würde mir zu dem Thema noch einiges - aber ob daraus ein Buch wird? Das wird sich irgendwann zeigen. Damit ich für den Fall der Fälle gewappnet bin, sammle ich jetzt schon Ideen und schreibe eben an der Fortsetzung einer anderen Geschichte - Übung macht den Meister. ;-)

4. Hast du dich wegen deiner Kinder für das Genre Kinderliteratur entschieden oder gehört es auch zu deinen persönlichen Lieblingsgenre beim Lesen?

Ich glaube, ich habe einfach nie aufgehört, Kinder- und Jugendbücher zu lesen. Natürlich lese ich auch andere Genres, und zwar querbeet, aber immer wieder lande ich beim Kinder- und Jugendbuch. Kinderbuch mittlerweile fast immer gemeinsam mit einem oder mehreren meiner Kinder (obwohl - es gibt auch Bücher, die ich erstmal ohne sie gelesen habe), Jugendbuch nur für mich. Noch. Lang dauert es wahrscheinlich nicht mehr, bis wir auch hier gemeinsam lesen können.

5. Wie lange schreibst du an einem Buch?
Ganz unterschiedlich. Zwei bis vier Monate ist mein Normaltempo, dieses Jahr habe ich mich mit einem Projekt ziemlich gequält und über sechs Monate gebraucht - es ist allerdings auch mehr als fünfmal so umfangreich wie »Ich muss leider draußen bleiben!«. Mittlerweile kann ich ganz gut kalkulieren und weiß, dass Schulferien und die Weihnachtszeit meinen Schreibplan unweigerlich komplett auf den Kopf stellen.

6. Kannst du dir vorstellen, auch einen Roman für Erwachsene zu schreiben?
Prinzipiell schon. Mit Susanne Ruitenberg habe ich ja schon ein Projekt für Erwachsene geschrieben, »Mainhattan Moments«, was allerdings eher eine Art Episodenroman ist. Ideen hätte ich einige, bislang habe ich sie zugunsten der Kinderbücher zurückgestellt, weil ich da momentan gut ausgelastet bin und es mir auch großen Spaß macht. Aber wer weiß. Eines Tages ...

7. Welches ist dein Lieblingskinderbuch?
Owei, nur eins??? Ich mache mal verschiedene Kategorien auf. Einer meiner Favoriten für immer und ewig ist Pippi Langstrumpf. Und das Sams. Bei den neuen Kinderbüchern haben wir uns durch sämtliche Bände »Mister Gum« gelesen und gekringelt vor Lachen. Im Bilderbuch: Alles von Scheffler/Donaldson, gerade haben wir den »Superwurm« erstanden, und ein ganz, ganz besonderes Bilderbuch: »Die große Wörterfabrik«. Jugendbuch: Erebos.

8. Wie sehr hat das Schreiben dich und dein Leben verändert?
Da ich schon immer geschrieben habe, erstmal nicht sooo sehr. Der große Schritt war das Selbstständigmachen als Autorin, ein echter Sprung ins kalte Wasser. An sich genieße ich es, mir meine Arbeitszeit frei einteilen zu können und habe tagsüber auch viel Zeit für die Kinder (wie gesagt, schreibtechnisch bin ich eher nachtaktiv). Aber manchmal ist es auch nicht einfach, wenn ein Abgabetermin naht und dazu noch 397 alltägliche Dinge erledigt werden müsste. Wobei ich mittlerweile echt gut darin bin, z.B. ungeputzte Fenster zu ignorieren. ;-) Eigentlich lebe ich mit diesem Beruf meinen Traum.

Was sich ganz sicher geändert hat - ich bin mutiger geworden. Früher war ich bei jedem Referat, das ich vor versammelter Klasse halten sollte, einer Panikattacke nahe, an der Uni war es nicht viel besser. Tja, dann kamen die Lesungen. Für die Zahnpasta-Prinzessin hatte ich einen Zahnputzreim geschrieben, zu dem der Verlag ganz überraschend eine Melodie schreiben ließ und die Noten ins Buch druckte. Sah toll aus! Vor der ersten Lesung dämmerte mir dann: »Oh mein Gott, ich muss das singen!!!« - Schnappatmung, Herzrasen, schlaflose Nächte. Ich singe zwar gerne mit den Kindern und für den Hausgebrauch, aber vor Publikum? Wider Erwarten habe ich es überlebt und alles klappte wunderbar. Und das Lampenfieber wurde tatsächlich von Lesung zu Lesung weniger, mittlerweile liebe ich Lesungen über alles. Allerdings passe ich jetzt schon auf, dass nichts potenziell Singbares in den Büchern landet. ;-)

9. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?
Gerade beendet: Die letzte Nacht der Titanic: Augenzeugen erzählen (da hat mich unsere Große mit ihrer Titanic-Liebe infiziert ;-) ), jetzt fange ich »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« an.

      10. Bitte beende diesen Satz: Es war einmal...
... ein leeres Blatt Papier, das nur darauf wartete, mit einer guten Geschichte beschrieben zu werden. Zum Glück fand ich es auf meinem Schreibtisch.

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