Samstag, 8. März 2014

Bäume reisen nachts



 
Taschenbuch: 201 Seiten 
Verlag: Insel
ISBN: 978-3458360193


Kurzbeschreibung:
Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt 



 Mein Leseeindruck:
Seitdem plötzlichem Verschwinden ihrer Mutter ist die achtjährige Manon auf sich gestellt, denn ihr Vater versackt völlig in seinem Schmerz und Kummer. Er sitzt nur noch vor dem Fernseher, verfällt dem Alkohol und auch am Arbeitsleben nimmt er nicht teil. Für das Mädchen natürlich unfasslich, das der eigene Vater quasi förmlich durch sie hindurchsieht und ihr keinerlei Beachtung schenkt. Was für ein Kindheitstrauma für die kleine Seele von Manon! Sie tröstet sich durch Gespräche mit Ameisen und Katzen aber auch die Welt der Bücher geben dem Kind ein kleinwenig Halt.

Da ist aber noch Anatole, für den alt werden, ganz schrecklich ist. Der altersschwache und brummige Mann ist ebenso einsam ist wie das Mädchen. Er lebt im selben Haus wie Manon und sieht sie oft bei ihrer Lesezeit unter der Birke im Garten. Was ihr wohl wiederfahren ist, das ein Kind so unglücklich dreinblickt und Selbstgespräche mit Ameisen führt? Wie es der Zufall so will, finden sich der Alte und das Kind, und teilen von diesem Zeitpunkt an die Liebe zu den Büchern. Anatole liest Manon aus der Erzählung »Der kleine Prinz« vor, diese Geschichte fasziniert sie, erkennt sie doch darin einige Parallelen aus ihrer eignen Erfahrung. Sie vertraut sich dem fremden Mann an und blüht ein kleinwenig auf. Bis zu dem Tag, an dem völlig unerwartet Post von ihrer Mutter eintrifft. Ja, Mama lebt, und zwar in Marokko.

Dadurch erlangt Manons Vater Pierre wieder Energie, die er sofort nutzt, um Reisepläne zu schmieden. Er möchte nach Marokko zu seiner Frau aufbrechen mitsamt Manon, dem alten Anatole und der Tante Sophie.
Es beginnt eine unfassbare Reise mit melancholischen und erfreulichen Erlebnissen, mit vielen Emotionen und auch der einen oder anderen Offenbahrung.

»Bäume reisen nachts« ist eine lebendige, ausdrucksvolle Erzählung, die mich überaus berührt hat und mir gezeigt hat, dass es im Leben nie zu spät ist. Die Autorin hat einen wunderbaren leichten Schreibstil und damit eine berührende Geschichte geschrieben, die oftmals das Leserherz ergreift. Allerdings habe ich mir vom Ende mehr erwartet. Die Passage war mir auf eine Art und Weise zu formlos, fraglich und vollständig unrealistisch. Ein paar klarblickend Worte und Seiten mehr und das Ende wäre stimmiger gewesen.

Buchzitat:
"Es kommt vor, dass die Erwachsenen eine schwierige Zeit durchmachen und keine Kraft mehr haben, dann weinen sie wie Kinder..."

Fazit:
Ein äußerst lesenswerter Roman, in dem es um ungleiche Menschen, Familie und Freundschaft geht.



Kommentare:

  1. Hey!
    Schöne Rezi und hübscher Blog, du hast eine neue Leserin...^^
    LG Lena von
    www.lenasbuecherwelt.blogspot.de

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  2. Hey Bianca!
    Schöne Rezi, das hört sich gut an. Ich glaube, das pack ich mir auch mal auf meinem Merkzettel.... :-)

    Liebe Grüße und schönen Sonntag!
    Thomas

    http://toms-lesewelten.blogspot.de

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  3. Hey Bianca,
    ich habe Dich getaggt:
    http://literaturmaus.wordpress.com/2014/04/02/tag-ich-mochte-unbedingt-lesen/#comment-681
    Liebe Grüße
    Kathrin

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